Schreiben für sich selbst – ein Plädoyer für Journaling

Journaling eröffnet mit verschiedenen Techniken ganz neue Möglichkeiten, sich mit seinen Gedanken, Zielen und Träumen auseinanderzusetzen und sie auf Papier zu bringen. Immer häufiger stößt man auf diese Art des Tagebuch-Schreibens, aber was genau verbirgt sich dahinter? Und warum sollte man diesem Trend folgen? Denn, so finde ich, das solltet ihr auf jeden Fall! Schauen wir uns zunächst einmal an, was Journaling überhaupt ist.

Ein schwarzer Fueller auf einem Blatt Papier

Was ist eigentlich Journaling?

Der Begriff Journaling ist ziemlich schwammig und wird auch entsprechend verwendet, was vielleicht daran liegt, dass es bisher weder eine konkrete Übersetzung ins Deutsche gibt noch eine feste Definition auf Englisch zu finden ist. Betrachten wir also den Ursprung des Wortes. Laut Duden.de ist Journal unter anderem ein veraltender Begriff für Tagebuch und hat seine Herkunft vom italienischen „giornale“, was soviel heißt wie Tagesbericht. Mich dünkt, hier ist der Duden nicht ganz up to date, denn mir begegnet das Wort Journal derzeit sehr häufig und ich halte mich nicht für veraltend …

Die deutsche Wikipedia scheint etwas mehr up to date zu sein als der Duden und beschreibt das Journal als eine besondere Form des Tage- oder des Notizbuchs, das dem Notieren thematisch orientierter Einfälle dient. Auffällig ist, dass die Bedeutungen der Begriffe Journal und Tagebuch sich oft vermischen. Im englischen Wikipedia-Eintrag über Tagebücher findet sich folgende Differenzierung:

The word „journal“ may be sometimes used for „diary,“ but generally a diary has (or intends to have) daily entries, whereas journal-writing can be less frequent.

Das heißt also, ein Journal schreibt man nach Bedarf, und nicht, um eine möglichst umfassende Biografie des eigenen Lebens zu erstellen, wie es beim klassischen Tagebuch-Schreiben häufig der Fall ist. Ich persönlich finde das schon mal sehr erleichternd, denn wer möchte sich schon gezwungen fühlen, jeden Abend aufzuschreiben, was er erlebt hat, sei es noch so unbedeutend? Etwa mit zehn Jahren habe ich mein erstes Tagebuch geschrieben und mich selbst damit unter Druck gesetzt, wirklich täglich etwas hinein zu schreiben. Das habe ich aber nicht lange durchgehalten und lieber punktuell geschrieben, wenn mich etwas beschäftigt hat. Schon als Kind hatten meine Einträge also eher thematische Aufhänger, als biografische. Mein persönliches Verständnis von Journaling bringt deshalb mindhelp.de sehr schön auf den Punkt:

„Journaling umschreibt das Aufschreiben von Gedanken zusammen mit Gefühlen.

Journaling – eine Annäherung zu sich selbst

Das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen für und über mich selbst hatte für mich sehr viele positive Effekte. Zu jeder Tages- und Nachtzeit gab es mir die Möglichkeit, mich mit Themen, die mich bewegten, zu beschäftigen. Heute weiß ich umso mehr, wie sehr man sich etwas von der Seele schreiben oder sich frei schreiben kann, dass man mit dem Schreiben Gedankenspiralen hinter sich lassen und neue Erkenntnisse gewinnen kann. Schon oft habe ich Lösungen für Probleme durch das Schreiben gefunden oder es geschafft, mich selbst besser zu verstehen. Alles in Allem hat das Schreiben mir dabei geholfen, einen achtsameren und bewussteren Umgang mit mir selbst zu führen.

Frau am Schreibtisch mit Notizheft und Kaffee

Ja, ich weiß, in Magazinen wie Flow, Happinez oder Einfach.Sein findet man gefühlt kein Wort häufiger als „Achtsamkeit“. Zugegeben, eine Zeit lang konnte ich den Begriff auch nicht mehr hören, aber im Zusammenhang mit Journaling hat er für mich durchaus eine wichtige Bedeutung. Mich schriftlich mit meinen Gedanken und Gefühlen auseinander zu setzen, hilft mir, wachsam zu sein und mit Sorgfalt auf mich selbst zu schauen, Selbstmitgefühl zu entwickeln und Selbsthygiene zu betreiben. In einer Gesellschaft, die so schnelllebig ist, wie unsere, finde ich Entschleunigung enorm wichtig und mir hilft Schreiben dabei sehr.

Jeder kann ein Journal führen

„Das Ziel von Journaling ist es, die eigene mentale Gesundheit zu stärken und mehr Lebensfreude entstehen zu lassen. Dafür schreiben Sie regelmäßig Ihre Gedanken und Gefühle auf und reflektieren so bewusst, was Ihnen gut tut und bei was Sie sich eher unwohl oder sogar unglücklich fühlen.“
mylife.de

Journaling bietet unglaublich viele verschiedene Möglichkeiten, diese Selbstreflexion zu betreiben und sich mit negativen wie auch positiven Stimmungen auseinanderzusetzen, um sich besser kennen zu lernen: Bullet Journaling, Art Journaling, Junk Journaling, Bible Journaling. Für jeden ist etwas dabei, da bin ich mir sicher. Deshalb werde ich diese Arten auch noch an anderer Stelle genauer vorstellen und auch zeigen, dass Journals zu bestimmten Anlässen sinnvoll sein können.

Und ich?

Ich finde es toll, dass es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Journal zu führen und das Netz voll ist mit Schreibanregungen und Gestaltungsideen. Aber ich halte für mich persönlich nicht viel davon, mich fest an eine Form zu halten. Stattdessen picke ich mir die Rosinen aus allen Methoden heraus und gestalte mir meine eigene Methode. Für mich sind meine Journals in erster Linie Notizhefte, die Platz für alle meine Gedanken haben. Ich male, philosophiere und reflektiere darin genauso, wie ich mir Ziele setze und Junk einklebe.

Ich mische also verschiedene Journaling Arten und habe Journals für verschiedene Anlässe: Eines ist mein ständiger Begleiter, ist selbst gestalteter Kalender, Bullet Journal, Notizheft und Erfolgstagebuch in einem. Das zweite ist mein Schreibjournal, in dem ich Ideen und Recherchen zu meinen Schreibprojekten festhalte, Skizzen zu Szenen oder Figuren mache und meine täglichen Schreibübungen ausführe. Das dritte Journal ist ein Persönliches Journal, das Reflexionen über meine Gefühle und Stimmungen enthält, mal angeregt durch Bücher, Filme oder Zeitungsartikel, mal durch alltägliche Gegebenheiten.

Natürlich kann ich niemanden dazu zwingen, heute noch in den nächsten Schreibwarenladen zu düsen und sich ein Notizbuch zu kaufen, aber ich möchte es euch wärmstens empfehlen! Das Schöne ist ja, das Journaling keine Wissenschaft ist, auch wenn ich das Gefühl habe, einige machen gerade eine draus. Ich kann euch nur raten, auf eure Bedürfnisse zu achten, und darüber zu schreiben, was euch bewegt. Und das kann jeder, denn es geht ja nicht darum einen Roman zu schreiben, der es auf die Bestsellerliste schafft, sondern wertfrei einen Raum für die eigenen Gefühle und Gedanken zu schaffen.

2 Antworten auf “Schreiben für sich selbst – ein Plädoyer für Journaling”

  1. Hast Du schonmal Morning Pages ausprobiert? Direkt nach dem Aufstehen oder zumindest im Laufe der ersten Momente des Tages den Stift ansetzen und einfach aus der Feder fließen lassen was da kommen möge.

    Sehr befreiend für Kopf und Geist 🙂

    Gruß
    Lion

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: