Rahmenbedingungen für Journaling

Beim Schreiben für oder über mich selbst, mag ich es, mich vorher in die richtige Stimmung zu bringen. Das gelingt am Besten, wenn ich keinen Zwang daraus mache. Schließlich soll Journaling ja Spaß machen und das Leben positiv bereichern. Aber mir persönlich gefällt es, ums Journaling herum ein paar Routinen und Gewohnheiten  zu etablieren.

Schreibheft auf Schreibtisch

Schreibatmosphäre schaffen

Zum Schreiben gehört natürlich zunächst der richtige Ort. Beim Journaling kann das bei mir sowohl der Schreibtisch als auch das Sofa oder Bett sein. Das hängt immer ein wenig von meiner Laune ab oder auch von der Ernsthaftigkeit der Themen über die ich schreibe. Der Schreibort sollte euch in eine geeignete Stimmung bringen, entscheidend ist also, dass ihr euch dort, wo ihr schreibt, wohlfühlt. Das Wichtigste für mich ist, dass ich ungestört bin und mich nur auf meine Gedanken fokussieren kann.

Dazu hilft mir am Besten klassische Musik. Auf Spotify nutze ich gern die Playist Classical Music for Reading. Sie enthält sehr viele ruhige Paniostücke. Meine persönlichen Highlights sind Comptine d’un autre été – l’après midi von Yann Thiersen und eine wundervolle Version von Moon River. Drei Mal dürft ihr raten, welches meine Lieblingsfilme sind! Auf itunes kann ich die Playlist Konzentration von Max Freitag empfehlen. Die beginnt schon so schön mit Flowers von Chad Lawson:

Hier kannst du dir den Song „Flowers“ von Chad Lawson auf Youtube anhören.
https://www.youtube.com/watch?v=H6_7DjsbROQ

Bevor ich mir allerdings die Kopfhörer aufsetze, lasse ich frische Luft in die Bude, richte mir meinen Schreibort schön her, koche mir einen Kaffee oder Tee, stelle etwas Schokolade bereit, zünde eine Duftkerze an und mache es mir gemütlich. Solche kleinen Rituale helfen mir, besser ins Schreiben zu kommen. Klassische Meditationstechniken wie Yoga  oder Entspannungsübungen vor dem Schreiben sind nicht so meins, aber vielen helfen sie, sich in die richtige Schreibstimmung zu versetzen.  Für mich ist das Schreiben Meditation genug – meditieren heißt ja nichts anderes als „nachdenken, nachsinnen, überlegen“ und das tue ich beim Schreiben noch mehr als sonst.

Im Sommer schreibe ich übrigens auch gerne draußen in der Natur, zum Beispiel im Park oder an der Isar. Dann lausche ich auch eher dem Vogelgesang als meinen Playlists. Um die Lust aufs Schreiben zu fördern, helfen mir auch die richtigen Materialien, also die Schreibgeräte und -papiere, die ich verwende. Dazu demnächst mehr.

Es gibt kein richtig oder falsch! Oder doch?

Der Wille zu schreiben, kann schnell auch mal stressig werden. Jedenfalls, wenn man dazu neigt, sich damit unter Druck zu setzen oder sich einredet, es sei nur sinnvoll, wenn man wirklich regelmäßig schreibt und auf Teufel komm raus versucht, es im Tagesablauf unterzubringen. Klar, Schreiben braucht immer vor allem Zeit und manchmal hat man davon einfach nicht viel übrig oder nicht die Bereitschaft, sich im Kalender diese Zeit frei zu räumen. Ich finde das völlig legitim. Natürlich könnt ihr täglich in euer Journal schreiben, aber es steht jedem frei es auch nur wöchentlich oder monatlich zu tun oder phasenweise mal so oder so. Außerdem sollte es jedem selbst überlassen sein, ob er „nur“ fünf Minuten oder eine ganze Stunde schreiben möchte, einen Zweizeiler oder drei Seiten.

Wecker

Oft finden sich in Schreibanregungen fürs Journaling nämlich Mengen- oder Zeitvorgaben. Für einen ersten Ideenfluss mag es auch durchaus sinnvoll sein, sich einen Timer zu stoppen und die Gedanken aufs Papier strömen zu lassen. Aber ob es wirklich sinnvoll ist, danach nicht mehr weiter zu schreiben oder nach einer bestimmten geschriebenen Menge aufzuhören, dass sollte meiner Meinung nach jeder für sich selbst entscheiden. Wenn man dazu neigt, sich zu verzetteln, ist ein Timer sicher auch hilfreich. Da hilft nur ausprobieren und keine allgemeingültige Regel. Wichtig ist, es überhaupt zu machen:

„Das Schreiben kann zu einem ständigen Begleiter werden, denn wir können buchstäblich überall schreiben. Gedanken, Worte, Gefühle, Sätze, Ideen, Befindlichkeiten, Bemerkenswertes, Sachen zum Staunen, offene Fragen, Antworten – all das und mehr wird immer mehr sprudeln, je mehr wir das Schreiben zu uns einladen, indem wir es tun.“
Tania Konnerth, Von der Seele schreiben

Wie auch immer ihr es handhaben möchtet, unterschätzt nicht, dass das Schreiben auch negative Einflüsse haben kann.

Die zwei Prämissen des Journaling

Da es beim Journaling darum geht, sich intensiv mit den eigenen Emotionen zu beschäftigen, sie zu reflektieren und offen dafür zu sein, was in einem schlummert sollte man zwei Wesentliche Grundvoraussetzungen mitbringen:

1) Du bist bereit
Es klingt banal, aber was man in erster Linie fürs Journaling braucht, ist die Bereitschaft, es zu tun. Nur wenn ihr offen seid für Reflexion, kann Schreiben seine befreiende Wirkung entfalten. Und dass Schreiben die Seele beeinflussen kann, ist wissenschaftlich längst erwiesen. Immer mehr Schreibcoaches oder Schreibtherapeuten nutzen das Schreiben deshalb in ihren Behandlungen.

2) Du bist belastbar
Wenn ihr also die Breitschaft aufbringt, solltet ihr euch fragen, ob ihr psychisch belastbar seid, vor allem, wenn ihr beim Journaling schreibtherapeutische Übungen anwenden möchtet. Psychisch labile Schreiberlinge sollten sich lieber vorher mit ihrem Arzt oder Psychologen beraten. Schreiben kann nämlich eine so intensive Wirkung haben, dass es tiefgehende Selbsterfahrungsprozesse in Gang bringt, die man allein nicht bewältigen kann.

Um einzuschätzen, ob man belastbar genug ist, benötigt man natürlich ein gewisses Maß an Selbstempathie, also die Fähigkeit, zu erkennen, was in einem selbst vorgeht. Die Selbstempathie kann sich durchs Journaling aber auch erst entwickeln. Wichtig ist, sich sofort Hilfe zu suchen, wenn man bemerkt, dass es einem durch das Schreiben (oder seitdem man damit angefangen hat) plötzlich sehr viel schlechter geht.

Weiterführende Infos

Wozu Journaling? Ein Plädoyer für das Schreiben über sich selbst

Mehr Journaling auf Vollwortkost – Coming soon!

Tania Konnerth: Von der Seele schreiben

Lutz von Werder, Barbara Schulte-Steinicke, Brigitte Schulte: Die heilende Kraft des Schreibens

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