Schreibjournal für Autor(inn)en

Ein Schreibjournal ist ein Notiz- und Tagebuch, das dich als Autor(in) von Kurzprosa, Romanen oder Lyrik in deinem Schreibprozess begleitet. Darin kannst du schreibend und kritzelnd Gedankenblitze zur Handlung, Anregungen für Formulierungen und Schreibfortschritte festhalten, aber auch Ideen, Vorgehensweisen und Probleme rund ums Schreiben reflektieren. Bekannte Schriftsteller, die ein solches Journal führten, waren Franz Kafka, Anais Nin, Albert Camus oder Max Frisch.

EINSATZMÖGLICHKEITEN DEINES
SCHREIBJOURNALS

Ein Schreibjournal kannst du in jeder Phase des Schreibprozesses einsetzen: Zur Ideensammlung, Figurenentwicklung, zum Planen der Handlung oder Vorskizzieren einer Szene, um einen Überblick über deine Recherchen und Quellen zu behalten und zur Einstimmung ins Schreiben. Da das Journal nur für dich als Autor(in) bestimmt ist, kannst du dich darin frei austoben und deine Gedanken und Ideen völlig unzensiert schreibend weiterentwickeln. Denn dieser geschützte Raum führt beim Notieren und Reflektieren von Inhalten und Ideen dazu, dass dein innerer Kritiker gar nicht bzw. nur wenig Einfluss auf das Schreiben nimmt oder sogar in den Erkenntnisvorgang einbezogen wird. Dadurch kann deine Kreativität frei(er) fließen. Und natürlich kannst du dich in deinem geschützten Schreibjournal auch mal so richtig auskotzen, wenn dich etwas am Schreiben total nervt, z.B. wenn du eine Denkblockade hast, dir jemand Druck macht, du das Gefühl hast, du kommst zu wenig zum Schreiben oder tust zu wenig für dein Schreibprojekt.

Zusätzlich kannst du das Journal nutzen, um damit deine Fortschritte im Schreibprozess gezielt sichtbar zu machen, indem du alle Tätigkeiten rund ums Schreiben festhältst, z.B. mit Techniken aus dem Bullet Journal oder mit täglichen kleinen Aufgabenpaketen (z.B. x Wörter oder Zeichen pro Tag schreiben). Das bringt Struktur und Motivation in dein Schreiben, weil es dir deine Erfolge vergegenwärtigt – auch die, die nicht in Form von Wordcounts und Seitenanzahlen direkt sichtbar sind. Wichtig ist dafür natürlich, wirklich alle Tätigkeiten rund ums Schreiben festzuhalten: Von Recherchen über Feedback einholen bis hin zum Nachdenken über deine Figur. Ich bin sicher, du wirst überrascht sein, was du neben dem Rohtexten noch alles machst, um vorwärts zu kommen.

JOURNAL PER HAND ODER
DIGITAL FÜHREN?

Es empfiehlt sich, das Schreibjournal in Form eines Notizheftes zu führen, das du jederzeit bei dir tragen kannst, um dir immer und überall Gedanken zu deinem Schreibprojekt notieren zu können – und ganz nebenbei das freie und unzensierte Schreiben zu üben. Unter jeder Seite sollte das untere Viertel freibleiben, damit du nachträglich Ideen ergänzen oder deine Gedanken kommentieren kannst. Den freien Platz auf den Seiten kannst du auch nutzen, um Kernaussagen zu formulieren und so zu mehr Struktur im Schreibprozess zu gelangen. Zusätzlich kannst du ein Kalendarium ergänzen, um eine Übersicht über die täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Schreibfortschritte zu erhalten.

Das Führen eines Journals am Computer hat aber auch seine Vorteile, denn es kann ein hilfreicher Einstieg ins Schreiben sein, sozusagen ein Warmtippen, das es dir erleichtert, mit dem Rohtexten eines neuen Text-Abschnitts zu beginnen, indem es dir die Angst vor dem weißen Blatt nimmt.

EINSTIEGSÜBUNGEN FÜR
DEIN SCHREIBJOURNAL

1 Automatisches Schreiben
Verfasse einen Text, der mit folgendem Satz beginnt: „Schreiben bedeutet für mich …“. Bevor du loslegst, stelle dir einen Timer auf 5 Minuten. Wenn du bereits Erfahrung mit der Methode des automatischen Schreibens hast, sind auch 10 Minuten okay. Sobald die Zeit läuft, lass deine Gedanken fließen und bringe diesen Gedankenstrom schnell und unzensiert zu Papier. Versuche, während der vorgegebenen Zeit komplett durchzuschreiben und den Stift nicht abzusetzen. Sollte dir nichts einfallen, wiederhole ein Wort, einen Satz, zeichne Wellen oder Linien, je nachdem, wonach dir ist. Hauptsache, du unterbrichst den Schreibfluss nicht. Mache das solange, bis du ganz von allein wieder ins Schreiben übergehst. Achte nicht auf Rechtschreibung, Grammatik oder Formulierungen. Versuche, dich treiben zu lassen. Wenn die Zeit abgelaufen ist, führe den aktuellen Satz oder Gedanken gerne noch zu Ende. Lies dir dann deinen Text durch, unterstreiche Wörter oder Sätze, die dir ins Auge springen. Formuliere zum Abschluss ein kleines Fazit mit deiner wichtigsten Erkenntnis.

2 Literarischer Perspektivwechsel
Schreibe einen Bericht über dein Schreibverhalten (1-2 Seiten). Wähle dafür die Sicht deines bevorzugten Schreibmediums (Kuli, Notizheft, PC etc.) oder deines bevorzugten Schreibortes (Wohnzimmer, Schreibtisch, Bett, Bibliothek etc.). Dieses Objekt sollte möglichst viel über dich und dein Schreibverhalten wissen. Lass dein Objekt in der Ich-Perspektive erzählen und nimm Bezug auf dein aktuelles Schreibprojekt; alternativ: dein letztes großes Projekt. Bleibe in deinem Bericht möglichst wertfrei und behalte die Perspektive des Schreibgerätes oder Schreibortes bei. Nimm dir für diese Aufgabe ruhig 1-2 Stunden oder mehr Zeit.

3 Reflexion mit Listen
Lies dir beide Texte in Ruhe durch. Was fällt dir auf? Was klappt beim Schreiben richtig gut? Erkennst du deine Stärken? Schreibe sie in einer Liste zusammen. Gibt es vielleicht auch etwas, das dir beim Schreiben eher schwerfällt? Dann erstelle eine weitere Liste mit Schwierigkeiten, die dir bei deinem Schreiben begegnen. Vergleiche zuletzt beide Texte miteinander. Gibt es womöglich Widersprüche zwischen dem, was Schreiben dir bedeutet und wie du es durchführst? Findest du in einem der Texte Lösungen für die Punkte, die dir beim Schreiben schwerfallen? Was könntest du darüber hinaus tun, um diese Schwierigkeiten aufzulösen? Sammle deine Ideen in einer weiteren Liste.

3 Antworten auf “Schreibjournal für Autor(inn)en”

    1. Ich drück dir die Daumen! Und falls es nicht klappt, wirf doch mal einen Blick auf meine Schreibkurse und Schreibberatungsangebote, vielleicht ist da was Passendes dabei, dass deinen Knoten löst.
      Liebe Grüße,
      Daniela

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